Make-or-Buy

by test01 Mai 20, 2020

Der Begriff Make-or-Buy bezeichnet in der Wirtschaft die unternehmerische Entscheidung zwischen der Eigenfertigung (Make) oder dem Fremdbezug (Buy). Die Make-or-Buy-Entscheidung ist insbesondere auch bei industriellen Fertigungsprozessen von Bedeutung.

Grundsätzlich ist die Frage „Make or Buy?“ für alle Aktivitäten der betrieblichen Wertschöpfungskette relevant. Aus unternehmensstrategischer Sicht ist die Frage eng mit dem Ausmaß der vertikalen Integration des Unternehmens verknüpft. Aus operativer Sicht handelt es ich bei der Frage nach der Auslagerung von Fertigungsschritten meist um eine wirtschaftliche Betrachtung.

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Was bedeutet „Make-or-Buy“?

Die Make-or-Buy-Entscheidung ist für Unternehmen sowohl in Hinblick auf Dienstleistungen als auch auf Produkte relevant. In den metall- und kunststoffverarbeitenden Industriebereichen geht es dabei meist um die Frage, ob bestimmte Vorleistungsgüter selbst hergestellt oder von einem anderen Unternehmen gekauft werden.

Zu den typischen Vorleistungsgütern gehören dabei beispielsweise Bauteile, Baugruppen, Zwischenprodukte oder Halbfabrikate. Aber auch Dienstleistungen wie die Konstruktion von Bauteilen mithilfe einer CAD-Software sind von Make-or-Buy-Entscheidungen betroffen.

Make-or-Buy - was bedeutet das?

Bei der strategischen Ausrichtung von Unternehmen wird in diesem Zusammenhang von der vertikalen Integration der Fertigung gesprochen. Diese gibt an, wie groß in einem Unternehmen der Anteil der Eigen- und Fremdfertigung ist. Als Maß für die vertikale Integration hat sich die Fertigungstiefe bewährt. Diese gibt in Prozent an, wie groß der Anteil der Eigenfertigung ist:

Fertigungstiefe [%]= Eigenfertigung(gesamte Fertigung) * 100 %

Wie wird eine Make-or-Buy-Entscheidung getroffen?

Bei der Entscheidung für die Eigenfertigung oder den Fremdbezug von Gütern oder Dienstleistungen bietet es sich an, standardisierte Unternehmensprozesse anzuwenden. Durch diese Vorgehensweise gelingt es, sich bei der Entscheidung auf objektive Kriterien wie die Wirtschaftlichkeit zu konzentrieren.

In diesem Zusammenhang ist insbesondere das „Not-invented-here“-Syndrom von Bedeutung. Dieses Syndrom bezeichnet die Abneigung von Unternehmern, Güter oder Leistungen von Lieferanten zu beziehen, obwohl dies wirtschaftlich vorteilhaft ist.

Der Entscheidungsprozess basiert üblicherweise auf einer Analyse, die verschiedene operative und strategische Faktoren mit einbezieht. Dabei geht es neben einer Wirtschaftlichkeitsanalyse auch darum, Risiken abzuschätzen und Einflussfaktoren wie Qualität, Unternehmensziele und Liquidität zu bewerten.

Was sind die Entscheidungskriterien?

Im Folgenden werden die wichtigsten Make-or-Buy-Entscheidungskriterien kurz vorgestellt:

  1. Strategie: Die Make-or-Buy-Entscheidung ist eng mit der strategischen Ausrichtung des Unternehmens verknüpft. Möchte sich das Unternehmen auf sein Kerngeschäft konzentrieren, ist in Bereichen außerhalb dieses Kerngeschäfts grundsätzlich ein Fremdbezug von Gütern zu bevorzugen.
  2. Kosten: Aus wirtschaftlicher Sicht ist bei der Make-or-Buy-Entscheidung zunächst eine vollständige Kostenbetrachtung erforderlich. Dabei werden die Kosten für die Eigenfertigung den Kosten einer Fremdbeschaffung gegenübergestellt. Wichtig ist, im Zuge dieser Betrachtung alle Kostenanteile zu berücksichtigen. Bei der Vergabe von Leistungen an einen Zulieferer sind beispielsweise die Transaktionskosten mit einzubeziehen, während bei der Eigenfertigung gegebenenfalls Investitionskosten und Opportunitätskosten anfallen. Auch Faktoren wie die Auslastung des eigenen Maschinenparks spielen hier eine Rolle.
  3. Liquidität: In Bezug auf die Unternehmensliquidität ist zu berücksichtigen, dass die Eigenfertigung häufig mit einer Investition in die Ausweitung der Fertigungskapazitäten verbunden ist. Ein Fremdbezug kann bei Liquiditätsengpässen also die bessere Wahl sein.
  4. Abhängigkeit: Der Fremdbezug von Produkten oder Dienstleistungen schafft Abhängigkeiten. Diese stellen je nach Branche und Zuverlässigkeit des liefernden Unternehmens ein Risiko dar, das bei der Make-or-Buy-Entscheidung zu berücksichtigen ist.
  5. Qualitätssicherung: Der Fremdbezug von Leistungen und Gütern ist für den Auftraggeber in der Regel mit einem höheren Aufwand zur Qualitätssicherung verbunden.
  6. Zeit: Bei zeitkritischen Projekten oder Aufträgen ist eine Bewertung der Lieferzeiten erforderlich. Der Kauf eines fertigen Produktes ist häufig schneller, wobei Lieferzeiten und unter Umständen auch Genehmigungsverfahren zu berücksichtigen sind.

Welche Arten der Make-or-Buy-Entscheidungen gibt es?

Bei der Make-or-Buy-Entscheidung wird im Wesentlichen zwischen der operativen und der strategischen Ausprägung unterschieden:

Operative Make-or-Buy-Entscheidung: Die operative Sichtweise ist stark kostenorientiert und berücksichtigt meist nur einen begrenzten Zeitraum. Bei einer operativen Entscheidung spielen Beweggründe wie fehlende Ressourcen in der eigenen Fertigung, unterschiedliche Kosten für Eigenfertigung und Fremdbezug oder Projektfristen eine Rolle.

Strategische Make-or-Buy-Entscheidung: Die strategische Sichtweise bezieht langfristige Effekte und Unternehmensziele mit ein. Dabei geht es darum, wie sich das Unternehmen in der Zukunft am Markt positionieren möchte und ob es zur „Lean Production“ (Konzentration auf Kerngeschäft) oder zur „Economies of Scope“ (Verbundvorteile) entscheidet.

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